Online-Beschwerdeforschung
Dr.rer.oec. Alexandra Daniela Zaugg
Engehalde
Engehaldenstrasse 8 : 3012 Bern : +41 31 631 4785





Beschwerdeverhalten ist ein Set von verschiedenen Beschwerdeantworten, die als Reaktion auf wahrgenommene Unzufriedenheit während des Kaufes, des Verbrauchs oder des Besitzes des fraglichen Produkts / der fraglichen Dienstleistung ergriffen werden können (siehe Crié 2003, S. 62). Ausgelöst wird Beschwerdeverhalten durch ein negatives kritisches Ereignis, das Unzufriedenheit verursacht. Dabei stehen dem Kunden folgende Beschwerdereaktionen offen, um seiner Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen:

Inaktivität
Der Kunde spricht mit niemandem über seine Unzufriedenheit und bleibt weiterhin Kunde des Unternehmens. Bei dieser Kundengruppe kann die latente Unzufriedenheit aber dazu führen, dass bereits ein geringfügiges kritisches Ereignis "das Fass zum Überlaufen" bringt. Dann ist damit zu rechnen, dass sich diese Kunden nicht mehr mit der Beschwerdeantwort Inaktivität begnügen.
Schweigen
Der Kunde spricht mit niemandem über seine Unzufriedenheit. Über den Beziehungsstatus kann keine Aussage gemacht werden.
Beziehungsabbruch
Aufgrund des kritischen Ereignisses verzichtet der Kunde auf einen Wiederkauf. Dieser Boykott kann sich nur auf das fragliche Produkt, aber auch auf eine Marke, Produktgruppe oder gar das ganze Unternehmen beziehen. Während bei Vertragsgütern das Ende der Beziehung leicht zu bestimmen ist, kann es bei Gütern ohne Vertrag selbst mit einer ausführlichen Kundenhistorie schwierig sein, den Beziehungsabbruch zu erkennen. Dies gilt speziell für Güter, die nur alle paar Jahre gekauft werden.
Beschwerde beim Unternehmen
Der Kunde teilt dem betroffenen Unternehmen seine Unzufriedenheit direkt mit. Da das Unternehmen auf diese Weise erfährt, dass der Kunde unzufrieden ist, können Gegenmassnahmen ergriffen und die Kundenzufriedenheit oft wiederhergestellt werden. Aus Unternehmenssicht ist diese Beschwerdeantwort am vorteilhaftesten.
Beschwerde bei Drittparteien
Der Kunde beschwert sich bei einer Drittpartei, z.B. einer Konsumentenorganisation, den Medien oder einer Online-Beschwerdeseite wie http://www.planetfeedback.com. Diese Antwort wird oft erst gewählt, wenn die Beschwerde beim Unternehmen erfolglos war, quasi als "letzter Ausweg", wenn der Kunde vom Unternehmen ignoriert wird.
Negative Mund-zu-Mund-Propaganda
Der Kunde erzählt seinen Freunden und Bekannten vom kritischen Ereignis und warnt sie vor einem Kauf bei diesem Unternehmen. Praktisch jeder unzufriedene Kunde erzählt bis zu 16 Freunden, wie unzufrieden er ist. Sehr häufig wird negative Mund-zu-Mund-Propaganda mit anderen Beschwerdeantworten kombiniert.